Der "Grüne Punkt"

oder der gescheiterte Versuch, die Müllmenge zu reduzieren

Von Martin Schulze


Inhaltsverzeichnis


Wie entstand der "Grüne Punkt"?

Also, holen wir einmal weit aus. Anno 198x hat ein Minister in Bonn gemerkt, daß die Müllflut überhand nimmt. Also mußte eine Verpackungsverordnung her, die irgendwie dazu dienen sollte, den Müll zu reduzieren und die Müllberge nicht mehr so stark anwachsen zu lassen. Dieser Minister hat sich also in sein stilles Kämmerlein zurückgezogen und unter starker Abnutzung des Gehirns eine Regelung ausgedacht, den Verpackungsmüll zu reduzieren. Diese Verordnung sah wohl vor, daß ein Großteil der Verpackungen eingespart werden sollte und die Industrie die anderen Verpackungen zurücknimmt. Aber, siehe da, es gab eine Industrie, die das gar nicht so gut fand. Die Regelungen waren ihnen viel zu streng. Mit den vielen Verpackungen aus so viel verschiedenen Stoffen läßt sich doch prima Geld verdienen. Das sah dann auch unser Minister ein und sagte zur Industrie: "Wenn ich mir etwas ausdenke, was Euch nicht gefällt, dann drehen wir den Spieß doch einfach mal um. Jetzt denkt Ihr Euch mal was aus, vielleicht finde ich das ja gut." Dieser Minister heißt Töpfer. Ja, ja, das ist der, der schon mal den Rhein durchschwommen hat, um zu demonstrieren, daß der ja gar nicht so verschmutzt ist. Nein, nein, danach war er nicht krank. Er hatte ja einen Neoprenanzug und eine Badekappe auf, um soviel Wasser abzubekommen, wie möglich.

Und so geschah es dann auch: Die Industrie meinte, daß man auf die vielen Verpackungen überhaupt nicht verzichten könne. Sie war der Ansicht, man müsse ein System entwickeln, das die Verpackungen wieder in einem guten Licht erscheinen läßt. "Tja, aber was tun, Recyclen ist zu teuer, außerdem gibt es nur für wenige Stoffe eine Methode, die allerdings auch nur im Labor funktioniert und kaum auf größere Mengen übertragen werden kann", gaben einige von ihnen vielleicht zu bedenken. "Wißt Ihr", sagten sie, "wir gründen einfach eine Gesellschaft, die die Verpackungen wieder einsammelt." "Aber alle Verpackungen einsammeln", riefen andere, "das kostet ja viel zu viel." Und so entschied man sich nur einige Verpackungen zu sammeln.

Jetzt wurde die Problematik diskutiert, welche Verpackungen man denn überhaupt sammeln soll. Irgendein Auswahlverfahren mußte her, Augen zu und mit einem Finger auf eine Liste zeigen gilt nicht. Das glauben die Verbraucher nicht. Als Auswahlverfahren schied die Möglichkeit, die jeweilige Verpackung zu recyclen, gleich aus, da de facto keine Verpackung recycled wird, weder jetzt, noch in Zukunft. Deshalb wurde als Kriterium die theoretische Möglichkeit, eine Verpackung wieder zu verwerten, genommen. Dabei reicht es aus, daß es eine sehr kostenintensive Methode im Labor gibt, die man aber nicht auf die rauhe Realität übertragen kann. "Also", sagten sie, "kennzeichnen wir diese Verpackungen." Eigentlich hätten sie sich das auch sparen können, da dies für so ziemlich alle Verpackungen zutrifft.

Und so geschah es dann auch. Und sie wollten viele Verpackungen kennzeichnen. "Aber wie?", riefen sie, "Wir brauchen ein schönes Logo." antworteten andere. Dieses Logo mußte irgendwie ausdrücken, daß diese Verpackung viel besser für die Umwelt ist als die anderen ohne Logo. Da man schon so kreativ war, kam nur ein Punkt heraus - na ja, es sind auch zwei Pfeile darauf. Und es wurde klar, daß die Farbe grün dafür sehr gut geeignet ist. Man kennt sie ja schon von 'DIE GRÜNEN' oder 'Greenpeace' etc. Die sind doch gut für die Umwelt. Da aber nicht auf allen Verpackungen die Farbe grün zur Verfügung steht, und man doch nicht durch eine weitere Farbe auf jeder Verpackung noch mehr Kosten erzeugen wollte, wurde klar, daß auch noch ein Schriftzug hinzu muß. Also sagte man: Das ist der "Grüne Punkt".

Ja, diese Geschichte ist gleich zu Ende, denn unser Minister in seiner Kammer in Bonn - er trägt skurrilerweise die Bezeichnung "Umweltminister" - freute sich, daß die Industrie einen so tollen Vorschlag gemacht hat und verbreitete ihn sogleich freudig wie ein Prophet. Diese Gesellschaft, die noch gegründet werden mußte, bekommt natürlich vom Staat finanzielle Unterstützung. Der Name war auch schnell gefunden. Eine Mülltonne haben wir ja schon, jetzt mußte eine zweite her. Also nannten sie diese Gesellschaft das "Duale System".

Damit waren der "Grüne Punkt" und das "DSD" ("Duale System Deutschland") geboren.

Was sind der "Grüne Punkt" und das "DSD"?

Der "Grüne Punkt" ist in zweiter Linie ein kleines Logo, welches sich nach kurzer Zeit auf fast allen Produkten wie eine Seuche breit gemacht hat. Auf den meisten Produkten, die man so im Supermarkt kaufen kann, findet man ihn. Das kuriose dabei ist, daß die Verpackungen dieser Produkte bisher auf dem Müll landeten und den Müllberg kräftig ansteigen ließen. Jetzt sind sie aber plötzlich umweltfreundlich (ist das nicht toll). Von der Industrie aus ist der "Grüne Punkt" ein Qualitätsmerkmal für Produkte, mit denen man den Müll reduzieren kann, da die Verpackungen recycled werden (laut Industrie).

In erster Linie ist der "Grüne Punkt" aber Augenwischerei. Er dient nur dazu, die Industrie und die umweltschädlichen Verpackungen, die nicht verrotten, in einem besseren Licht erscheinen zu lassen, denn mit dem "Grünen Punkt" wird kein Müll vermieden, nein ganz im Gegenteil, es wird noch mehr produziert, denn es werden mehr Verpackungen gekauft, da auf diesen der "Grüne Punkt" zu finden ist und der ist ja schließlich umweltfreundlich. Das praktische für die Industrie dabei ist, daß die Hersteller von Produkten, auf denen der "Grüne Punkt" zu finden ist, jetzt noch mehr verdienen als vorher, da viele mündige Bürger auf diesen Schwindel reinfallen.

Das "DSD" ("Duale System Deutschland") ist eine Firma, die gelbe oder grüne Mülltonnen - sogenannte Wertetonnen bzw. Wertstofftonnen - verteilt, in denen die mit dem "Grünen Punkt" gekennzeichneten Verpackungen getrennt vom sonstigen Hausmüll gesammelt werden sollen. Oft sind die Tonnen aber zu teuer, das Verteilen zu aufwendig und es werden nur Plastiksäcke - sogenannte Wertesäcke - unter das Volk gebracht. Darüber muß man auch mal etwas nachdenken. Um den Müll zu reduzieren, werden Plastikbeutel (26 pro Person) verteilt, die dann auch in den Müll kommen. Ferner wird neben der normalen Müllabfuhr, die wie bisher auch weiter ständig ihre Gebühren erhöht, eine weitere, für den Verbraucher scheinbar kostenlose, eingerichtet. Diese Wagen sind in, zugegeben, farblich ansprechenden, da nicht mehr trist orange, sondern violett-grün, Farben. Von Zeit zu Zeit werden dann die Wertetonnen oder -säcke geleert und damit wird der Müll der Kenntnis der Verbraucher entzogen. Man möge sich selbst überlegen, was mit Müll passiert, der de facto nicht recycled und auch kaum downgecycled (siehe Begriffe) wird. Da nun weniger Müll in die normalen Tonnen gelangt, werden diese auch nicht mehr so voll. Deshalb wäre es durchaus sinnvoll, sie seltener zu leeren oder kleinere zu verteilen. Aber beides geschieht meistens nicht. Dumm dran sind die wenigen, die völlig auf Mülltonnen verzichten können, aber trotzdem eine besitzen müssen, da es gesetzlich vorgeschrieben ist. Das "DSD" ist auch die Firma, die eigentlich schon mehrmals den Preis für die dümmste Werbung (Radio, Zeitung, Fernsehen) verdient hat. Da wird doch tatsächlich behauptet, daß Verpackung Rohstoff sei. Das muß man sich wirklich mal auf der Zunge zergehen lassen. Was bedeutet eigentlich roh? Ein Rohdiamant z.B. ist einer, der noch nicht behandelt worden ist. Roheisen ist Eisen, daß noch nicht geschmiedet ist. Aber Verpackungen sind aus Rohstoffen zusammengesetzt und damit keineswegs roh. Wahrscheinlich behaupten sie das, weil Müll nicht exportiert werden darf, wohl aber Rohstoffe (z.B. in Länder der sogenannten dritten Welt). Wenn dieser Müll nun zu Rohstoffen erklärt wird, darf er folglich auch exportiert werden. Und futsch ist das Problem. Außerdem sind in den Werbespots immer so ober-leichtgläubige Menschen. Es ist einfach eine Zumutung.

Was habe ich da gerade im Radio gehört? Da gibt es schon wieder einen neuen Werbespot. In dem wird ein kleines Liedchen gesungen. Aber das ist ja noch nicht das Schlimmste. Die Art und Weise ist einfach erniedrigend. Das Liedchen ist im Stil wie die Lieder auf den Lila-Launebär-Kasetten. Also für kleine Kinder oder geistig zurückgebliebene Erwachsene. Vielleicht hat das "DSD" damit genau die Gruppe Menschen angesprochen, die an den "Grünen Punkt" glauben (ich meine die zuletzt genannten, nicht die kleinen Kinder). Aber es ist einfach enwürdigend, so etwas auf einem sonst normalen Radiosender hören zu müssen. Langsam fordere ich eine Zensur für die Werbung.

Welche Produkte bekommen den "Grünen Punkt" \ und welche nicht?

Ich habe mich gefragt, wie ein Produkt zum "Grünen Punkt" auf der Verpackung kommt. Dabei ist herausgekommen, daß eine Hersteller-Firma einen Antrag dazu stellen und beweisen muß, daß die Verpackung theoretisch wieder verwertet werden kann. Für den Beweis muß ein Gutachten beigelegt werden. Ich sage absichtlich nicht recycled, da das auch nicht gemeint ist. Denn es reicht, daß die Verpackungen zu Parkbänken verwertet werden können, was ja lediglich ein downcyclen ist. Außerdem nimmt der Bedarf an Parkbänken - auch mit den fünf neuen Ländern - ab, wenn solche aufgestellt werden. Diese halten ja fast ewig und können nur noch auf den (Sonder-) Müll. Irgendwann ist auch für Parkbänke kein Platz mehr, da schon genug herumstehen. Zu diesem Zeitpunkt würde die obige Begründung theoretisch dann nicht mehr greifen - aber nur theoretisch. Außerdem muß die Hersteller-Firma Ihren finanziellen Beitrag zum "Dualen System" leisten. Das hat oft auch eine leichte Verteuerung der jeweiligen Produkte zur Folge. Bis zu 6 Pf. werden sie teurer.

Mit diesem tollen Auswahlkriterium bekommen fast alle (= unendlich viele) Produkte den "Grünen Punkt" auf der Verpackung. Allerdings hat das auch zur Folge, daß viele (nur endlich viele) Produkte den "Grünen Punkt" eben nicht bekommen. Dadurch erleiden viele Hersteller, deren Produkte den "Grünen Punkt" nicht bekommen, einen nicht geringen Einnahmeverlust, da viele mündige Bürger auf diesen Schwindel hereinfallen.

Produkte, die den "Grünen Punkt" nicht erhalten:

Mehrwegflaschen werden ja nicht recycled, sondern nur gesäubert und wieder gefüllt. Damit haben sie kein Anrecht auf den "Grünen Punkt". Biologische Produkte (= Obst, Gemüse etc.) werden ja auch nicht recycled, sondern können nur in den Kompost wandern. Diese beiden Produkttypen sind zwar viel umweltfreundlicher als die elenden Plastikverpackungen, aber sie werden eben nicht recycled. Bei Zeitschriften und Büchern hat das Fehlen des "Grünen Punktß einen ganz anderen Grund. Das "DSD" und damit der "Grüne Punkt" sind nur für die Produkte zuständig, die sie auch selber "wiederverwerten" (auf welche Weise auch immer). Papier und Pappe wird aber schon seit eh und jeh von anderen Firmen wieder zu Papier bzw. Pappe verarbeitet. Das hat das "DSD" komischerweise nicht übernommen - wahrscheinlich wäre das echte Arbeit geworden. Außerdem ist das Papier dort auch keine Verpackung. Deshalb hat Papier auch keinen "Grünen Punkt". Bei Autos ist es doch erstaunlich, daß sie keinen "Grünen Punkt" bekommen. VW macht ja damit Werbung, daß die neuen Modelle wiederverwertet werden. Ein möglicher Grund ist, daß ein Auto keine Verpackung ist und damit nicht in den Bereich des "DSD" fällt. Es ist aber auch denkbar, daß das einfach Sache der Autoindustrie ist und für das "DSD" zu viel Arbeit wäre.

Ein Schmankerl noch zum Abschluß, fast alle Produkte, die in ALDI-Filialen zu kaufen sind, tragen den "Grünen Punkt". Diese sind mit fast maximaler Menge an Verpackung eingepackt und Flaschen sind höchstens Einwegflaschen. Tja, aber thoeretisch können diese wiederverwertet werden.

Für Tetrapacks wird in letzter Zeit viel großflächige Werbung gemacht, die auch noch von vielen mündigen Bürgern geglaubt wird. Diese Verpackungen sollen zu Zellstoff wiederverwertet werden. Das wäre aber auch kein recyclen, sondern auch nur downcyclen, oder wird schon benutzter Zellstoff etwa auch wiederverwertet? Außerdem, hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wieviel Energie notwendig ist, einen Tetrapack zu Zellstoff zu verarbeiten? Es ist billiger und umweltfreundlicher 10 neue Tetrapacks zu produzieren, als einen zu Zellstoff zu verarbeiten.

Wo ist das "Duale System" eingeführt und wie geschieht das?

Wenn man mal herumfragt, welche Stadt schon an das "Duale System" angeschlossen ist, bekommt man heraus, daß es ziemlich wenig Städte sind. Leider bleibt das nicht so. Auch in der "DSD"-Werbung werden außer Bonn keine Städtenamen genannt. In den neuen Bundesländern sollen viele Städte angeschlossen sein, aber das konnte ich nicht überprüfen. An weiteren Städten sind mir nur Wilhelmshaven und Regensburg bekannt. Ab dem 1.1.1993 kommt Oldenburg leider auch noch hinzu. Das gilt wahrschienlich auch für viele andere Städte, da ab dem 1.1.93 eine Rücknahmepflicht gilt.

Wie kommt eine Stadt zum Anschluß an dieses zweifelhafte System? Wenn sie interessiert ist, verhandelt sie mit der Firma "DSD" und macht eigene Konditionen aus. Wenn sie nicht interessiert ist, verhandelt sie auch mit der Firma "DSD" und macht ebenfalls eigene Konditionen aus. Das letzte passiert jedenfalls wenn die Stadt klug ist. Tja, wieso das? Das läuft ja darauf hinaus, daß sich jede Stadt bzw. Gemeinde an das "Duale System" anschließen läßt. Genau, denn es bleibt ihr auch nichts anderes übrig. Sie hat lediglich die Möglichkeit, die Bedingungen selbst auszuhandeln, wenn sie klug ist. Denn, wenn eine Gemeinde nicht an das "Duale System" angeschlossen werden will, kann sie mit ministerialer Gewalt dazu gezwungen werden, was zur Folge hat, daß sie das nicht mehr kann.

Oldenburg will eigentlich auch nicht an das "Duale System" angeschlossen werden. Die Stadt hat aber wohl erkannt, daß das "Duale System" nur Augenwischerei ist und keinen Beitrag zur Müllvermeidung leistet. Die Stadt will lieber ihre eigene Müllpolitik machen. Da aber zu erwarten war, daß sie, im Fall einer Weigerung, mit ministerialer Gewalt doch zum "Dualen System" gezwungen würde, hat sie doch mit dem "DSD" verhandelt. Als Folge davon sind wir ab 1.1.1993 auch angeschlossen.

Folgen der Verpackungsverordnung und des "Grünen Punkt"

Als eine Folge der Verpackungsverordnung wurden in fast allen Geschäften mehrere Mülltonnen, in denen die Kunden die sogenannten Umverpackungen (=Verpackungen) zurücklassen können, unabhängig vom "Grünen Punkt". Diese Behälter müssen dort solange bleiben, bis die Verpackungen anderweitig entsorgt werden können. Also, wenn das "Duale System" eingeführt ist, dürfen diese wieder verschwinden.

Hier habe ich auch eine Bitte an Euch:

Wenn Ihr einkaufen geht und Produkte kaufen müßt, die viel zu viel Verpackung haben, dann macht Euch bitte die Mühe und packt diese noch im Laden aus. Am besten, Ihr haltet dabei die gerade beschriebenen Behälter besetzt, so daß ein Stau entsteht. Nur so kann in diesen Geschäften deutlich gemacht werden, daß einfach viel zu viel Verpackungen benutzt werden. Die Hälfte würde es sicher auch tun.

Teilweise wurde die Menge an Verpackungen auch reduziert. So gab es einige Produkte (mir fällt da z.B. Zahnpasta ein), die früher nur in Umverpackungen zu kaufen waren. Dann wurden sie auf einmal ohne diese überflüssigen Verpackungen verkauft. So sollte es bei allen Produkten der Fall sein, aber das verhindert das "Duale System" mit Erfolg.

Eine schlimme Folge des "Grünen Punktß sind die Einkommenseinbußen, die Hersteller erleiden, wenn auf ihren Produkten kein "Grüner Punkt" zu finden ist. Das kommt daher, daß viele mündige Bürger auf diesen Schwindel hereinfallen. Aus diesem Grund hat eine Brauerei (es war Bitburger), die bisher Mehrwegflaschen benutzte, auch auf Dosen umgestellt. Viele Geschäfte haben sich geweigert, die Flaschen weiter anzubieten, denn die haben keinen "Grünen Punkt" und außerdem müssen die Flaschen vom Geschäft zurückgenommen werden. Die Dosen bekommen ja den "Grünen Punkt", denn sie können ja theoretisch wiederverwertet werden. Das würde zwar immense Summen kosten, aber Hauptsache der "Grüne Punkt" strahlt auf der Verpackung. Dieses ist natürlich äußerst fatal.

Eine Eigenschaft des "Grünen Punktß ist die Tatsache, daß schon vorhandene Systeme kaputt gemacht werden. So gab es in Bayern "Das bessere Müllkonzept", eine Initiative von verschiedenen Verbänden. Dieses Konzept sah eine deutliche Reduzierung der Müllmenge durch Vermeidung von Verpackungen vor. Das wurde aber vom "DSD" erfolgreich verhindert. Dann gab es in Bayern eine Firma, die Plastik einer Sorte recycled (wirklich recycled) hat. Diese hat eine Fabrik mit vielen Arbeitsplätzen unterhalten, die sogar fast rentabel arbeitete. Aus dem Plastik wurden neue Plastikwaren hergestellt, die qualitätsmäßig nicht schlechter als andere waren. Dann kam das "Duale System" und diese Fabrik mußte dichtmachen, da das "DSD" jetzt das Plastik einsammelte und selbst verarbeitete (oder auch nicht). Auch die Versuche einer Stadt oder Gemeinde "Vermeidung statt Produzierung" werden durch das "Duale System" zunichte gemacht. Das ist natürlich ebenso fatal - jedenfalls für uns rational denkende.

Bei einigen Personen hat die Mülldiskussion bewirkt, daß sie weniger in Supermärkten und viel mehr in den wie Pilze aus dem Boden schießenden Bioläden kaufen. Diese haben sodann auch Hochkonjunktur.

Der Versuch, eine Mahlzeit ohne "Grünen Punkt" zusammenzustellen

Wir haben dann mal versucht, in einem 08/15-Supermarkt eine Mahlzeit zusammen zu stellen, die keinen "Grünen Punkt" enthält. Leider mußten wir feststellen, daß man, wenigstens in Supermärkten, bei solchen Versuchen leicht verhungern kann, denn fast alle Produkte haben diesen Schandfleck auf der Verpackung. Uns blieben verschiedene flüssige Sachen (Mehrweg-Milch, -O-Saft etc.), absolute Billig-Produkte (Billig-Nudeln), die Käse-, Wursttheke und, wenn vorhanden, die Bäckerei übrig.

Leider ist es auch noch erheblich teurer, statt Einwegflaschen Mehrwegflaschen zu verwenden. Für "normale" Familien ist das damit eine finanzielle Hürde, die man als Einzelner vielleicht noch schaffen kann, nicht unbedingt aber in einem 5-Personen-Haushalt.

Ausblicke

Einige Politiker haben aber schon heute erkannt, daß der "Grüne Punkt" ein Flop ist. Dazu gehört aber nicht unser anfangs beschriebener Minister Töpfer.

Daher auch mein Appel:

Wenn Eure Gemeinde an das "Duale System" angeschlossen ist und Ihr habt auch schon eine Wertetonne bzw. Wertesäcke, dann boykottiert das "DSD" doch bitte. Versucht, beim Einkaufen möglichst Produkte zu kaufen, die keinen "Grünen Punkt" auf der Verpackung haben, auch wenn das schwierig ist.

Begriffe und Schmankerl

PE
Poly-Ethylaen
PP
Poly-Propylaen
Das "DSD" unterhält in Bayern eine eigene Müllverbrennungsanlage, in der die mit einem "Grünen Punkt" gekennzeichneten Verpackungen wiederverwertet werden (!Satire!).
Anmerkung Es gibt auch noch den Umweltengel. Aber auch das Konzept ging nach hinten los. Der Umweltengel sollte auch, wie der "Grüne Punkt", ausdrücken, daß dieses Produkt besser für die Umwelt ist als andere. Damit ein Produkt den Umweltengel auf der Verpackung bekommt, muß der Hersteller nachweisen, daß es ein gleichwertiges Produkt gibt, das schädlicher für die Umwelt ist als das eigene. Die Idee ist ja vielleicht nicht schlecht, aber, damit einige Produkte dieses Gütesiegel bekommen, haben einige Hersteller einfach 2 Produkte (natürlich von scheinbar unterschiedlichen Firmen) hergestellt. So bekam dann das eine Produkt den Umweltengel, aber dieser Hersteller produziert noch immer das "schädlichere".

Die Wiederverwertung (wie ist hier unerheblich) von Weißblechdosen ist außerdem recht bedenklich, denn bei heutigen Verfahren wird giftiges Dioxin frei. Für die Produktion einer solchen Dose aus Dosen wird ca. eine Dose Heizöl benötigt, für eine Dose aus Alu sogar die doppelte Menge. Es ist also auch extrem energieaufwendig. Zudem werden nur ca. 1/4 der Dosen wieder zu Stahl, der auch nur höchstens in Stahlbeton zu gebrauchen ist.

Ach ja, eh ich's vergesse, wenn Ihr noch Infos zum "Grünen Punkt" habt oder allgemein zum Thema Müll, dann schickt sie mir doch. Meine Adressen seht Ihr mit einem Mausklick.

(Kopie: hier)


Joey, 14 Sep 1994