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NWZ will ALLES

Wie nötig in Oldenburg ein nichtkommerzieller Lokalfunk ist, hat die NWZ in einem Artikel am 9.3. wieder, allerdings wohl etwas unfreiwillig, unter Beweis gestellt. Unter dem Deckmäntelchen der "Berichterstattung" versucht Oldenburgs königlich-kaiserliche Hofzeitung erbarmungslos, auf einen von fremden Kräften zum Rollen gebrachten fahrenden Zug aufzuspringen, scheint dabei aber die Fahrtrichtung nicht richtig mitbekommen zu haben. Der Modellversuch des nichtkommerziellen Lokalfunks, kurz NKL genannt, wird, dem Landesrundfunkgestz entsprechend, einen Schwerpunkt dort haben, wo es gilt, informationstechnischen Monopolstrukturen vor Ort eine Alternative entgegenzusetzen. Nicht im Sinne der Erfinder ist es sicherlich, dem regionalen Pressegiganten mit Meinungsbildungsabonnement noch eine Darstellungsmöglichkeit mehr in den nimmersatten Finanzrachen zu werfen. Das ist aber im Pressehaus an der Peterstraße auch nicht ganz unbekannt, weshalb ja auch eilig ein paar Mitveranstalter zusammengesucht werden, rein unparteilich und nichtkommerziell selbstverständlich, die die Fahne der alternativen Berichterstattung dem großen Bruder dienstergeben schwenken. Manche werden sich wundern, welche Gruppierungen da plötzlich Interesse am nichtkommerziellen Lokalfunk entwickeln, mächtige Namen, schön klingende Namen. Mit von der Partie sind, ganz nichtkommerziell selbstverständlich, neben der NWZ der FDP Stadtratsabgeordnete und berufliche Antennenbauer Gerd Kruse, die Kirche in Gestalt des Oberkirchenrates, das Staatstheater, der Universitätspräsident Herr Daxner und, welch Wunder, die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte. Eine pflegeleichtere und strukturerhaltendere Mannschaft als Träger für ein Projekt, das eigentlich eine Ergänzung vorhandener Informationsmöglichkeiten darstellen soll, kann sich in der Oldenburger High-Society wohl kaum jemand vorstellen. Besonders bemerkenswert ist dabei, daß sich die Universität und die BSH zu solcherlei Befriedungsmaßnahmen hinreißen lassen.

Wolfgang Nowak


Joey, 01 Apr 95