Nazi Propaganda via "Offener Kanal"

Nazi Propaganda via "Offener Kanal" Es war der 1. September 1994, als mich abends eine Freundin anrief. "Mach mal schnell den Fernseher an, OKB!" Beide konnten wir es nicht fassen, was da um 20 Uhr in Berlin gesendet wurde. Irgend so ein Alt-Nazi stellte sich vor die Kamera, und verlangte, daß "Mein Kampf" für alle frei zugänglich gemacht werde , um sich ein "anderes Bild vom Dritten Reich" machen zu können. Das Ganze lief dann darauf hinaus, daß wir vor 45 Jahren von den Polen überfallen worden wären und nicht umgekehrt. Es ist nicht das erste Mal, daß der Offene Kanal durch solche mehr als fragwürdigen Sendungen aufgefallen ist. So kann man fast jeden Tag Pseudo-Wissenschaftler bei der Diskussionsrunde "Die Lüge AIDS" hören und sehen, um sich dann anschließend zu fragen, ob das alles so mit rechten Dingen zugeht. Die Idee des Offenene Kanals, nämlich daß jeder alles senden kann, ist an sich nich schlecht, denn wo sonst hätten Jungfilmer die Möglichkeit, daß ihre Erstlingswerke gesendet werden usw. Die Kehrseite dieser Liberalität liegt auf der Hand. Nazistische Hetzer mißbrauchen den Sender als Plattform für politische "Kampfparolen" und können so via Tele den Holocaust leugnen. Das einzige, so habe ich mir im Rathaus sagen lassen, was man in einem solchem Fall tun könne, wäre Strafanzeige gegen die Person selbst, denn jeder ist für seine Sendung selbst verantwortlich, der OKB übt keine Zensur. Also , die Sache mit dem Altnazi, ging jetzt an das Bündnis/90 Grüne und ich hoffe, das war seine letzte Sendung.

Quelle: Tempelratte, Berlin, 11/94

© Joey, 22 Jul '96