Müssen Studenten bald für ihr Studium bezahlen?

Rektoren aus zwei Ländern treten für Gebühren ein

BM / dpa Bonn, 15. Okt. An den Hochschulen gibt es einen Vorstoß für die Einführung von Studiengebühren. Der Großteil der Universitäts-Rektoren in Baden- Württemberg und Bayern möchte 1000 Mark pro Semester verlangen. Nach den von der SPD in Stuttgart veröffentlichten Plänen sollen auch die Rektoren der anderen Bundesländer für das Gebührenmodell gewonnen werden.

Die Rektorenkonferenzen beider Bundesländer hatten sich auf ein Argumentationspapier verständigt, in dem Gründe für und gegen Studiengebühren aufgelistet werden. Die Befürworter, voran der Heidelberger Rektor und Vorsitzende der Landesrektorenkonferenz, Peter Ulmer, verlangen allerdings, daß das Geld der Verbesserung der Studiensituation und der Studienberatung zugute kommt. Um die Gebühren sozial verträglich zu gestalten, sei eine zinslose Stundung vorgesehen.

Nordrhein-Westfalens Wissenschaftsministerin Anke Brunn lehnte für die SPD solche Überlegungen mit Nachdruck ab. Bayerns Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) kann sich Gebühren vorstellen, allerdings müsste der Bund das Bafög-System gewaltig ausbauen. Brandenburgs Finanzminister Klaus-Dieter Kühbacher (SPD) ist für Gebühren. Bundesbildungsminister Karl-Hans Lärmann (FDP) lehnt sie ab. Notwendig sei die inhaltliche Reform der Lehrinhalte.

Quelle: Berliner Morgenpost, 15.10.94, S. 1

Joey, 17 Okt 1994