Kritische Agrarzeitschriften

"Arbeitsergebnisse und "Pro Region" sind zwei Zeitschriften, die sich den ökologischen, ökonomischen und kulturellen Qualitäten und Problemen des ländlichen Raumes widmen. Die "Bauernstimme" wird vom wichtigsten Verband der Agraropposition, der "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL)" herausgegeben. Ferner wären - der Vollständigkeit wegen - noch die Zeitungen der ökologischen Anbauverbände "Bioland" (biologisch-organisch) und "Lebendige Erde" zu nennen. Alle genannten kritisieren den vorherrschenden industriellen Entwicklugnsweg in der Landwirtschaft und im ländlichen Raum und suchen Alternativen.

Die "Bauernstimme" erscheitns eit 1976 und widmet sich allen Bereichen bäuerlicher Landwirtschaft: Agrarpolitik, Marktentwicklung, Gentechnik usw. Im Frühjahr tobte eine Debatte darüber, was "bäuerliche Kultur heute" ist, und welche Bedeutung sie in einer kapitalistischen Gesellschaft haben kann. Inhaltlich vertritt die AbL eine flächendeckende umwelt- und sozialverträgliche Landwirtschaft. In ihr sind sowohl konventionelle wie ökologisch wirtschaftende LandwirtInnen zusammengeschlossen.

Die "Arbeitsergebnisse" werden von der AG Ländliche Entwicklung des Fachbereichs Landschaftsplanung an der Uni Kassel herausgegeben. Seit 1986 sind 26 Hefte erschiene, von denen die letzten 16 noch erhältlich sind. Jede Ausgabe hat einen Schwerpunkt mit 4 bis 6 Beiträgen. Sie Schwerpunkte der letzten Hefte waren die Ergebnisse des Projektes zur Gesundheits- und Arbeitssituation von Bäuerinnen (Heft 19/92) oder das Problemdreieck Landwirtschaft, Naturschuitz und Landschaftsplanung (21/92, 25/93, 26/94). Ausgabe 22/92 widmet sich "Frauen im ländlichen Raum in den neuen Bundesländern", während Nummer 24/93 in Zusammenarbeit mit der AbL entstand und alternative Vorstellungen für die Preis- und Strukturpolitik einer alternativen Landwirtschaft zum Thema hat.

"Pro Regio - Zeitschrift für Provinzarbeit und Eigenständige Regionalentwicklung" erscheint seit 1989 und wird vom "Verein Eigenständige Regionalentwicklung Baden-Württemberg" herausgegeben. Bislang liegen 10 Hefte vor, die für alle, die sich mit eigenständiger Regionalentwicklung und ländlicher Bildungs-, Jugend- und Kulturarbeit befassen, von Interesse sein dürfte. "Pro Regio" bringt drei, vier theoretische Beiträge zu den Schwerpunkten und liefert mit der in jedem Heft enthaltenen Rubrik "Nachrichten und Materialien" einen Überblick über die erschienene Literartur zu den genannten Themen incl. "grauer" Literatur). "Pro Regio" Nr. 11 (1992) hat "Agrikultur und dörflichen Wandel" zum Schwerpunkt und enthält, neben einem Beitrag zur Verkehrsproblematik im ländlichen Raum, Aufsätze zur Entstehung der "bäuerlichen Landwirtschaft" im Hochmittelalter und zur Verbürgerlichung und Kapitalisierung des Dorfes. Heft 12 setzt diesen Diskussionsstrang mit Beiträgen zur heutigen Situation fort: W. Jacobeit beschreibt die Modernisierung der Lnadwirtschaft, Eva Wonneberger berichtet aus ihren Forschungen im "Bäuerinnenprojekt" der Kasseler AG Ländliche Entwicklung. Am lesenswertesten ist der Beitrag zu den Schwierigkeiten der (städtischen) Solidarität mit der Landwirtschaft. Die Nummer 13 greift die facettenreiche und politisch widersprüchliche Diskussion zu Provinz und "Regionalismus" aus früheren Heften wider auf: Herrenknecht liefert mit "Die Neue Regionale Unübersichtlichkeit" einen Ausblick auf die Regional-Diskussion der 90er, während der dritte Beitrag den staatlichen Weg der ländlichen Regionalentwicklung vorstellt.
Bernd Hüttner

Quelle: Subbotnik in LA Nr. 65, 14.10.1994

(Politische Nachrichten und Hintergründe nicht nur für Halle/Saale)
Joey, 22 Okt 1994